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Aktivisten sprechen von Massaker
Offenbar 110 Tote nach Angriffen in Syrien
In der syrischen Stadt Hula sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 110 Menschen bei Angriffen der Regierungstruppen getötet worden. Unter den Opfern seien viele Kinder, hieß es von der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.Mit Panzern, Mörsern und schweren Maschinengewehren hätten Regierungssoldaten in der Provinz Homs das Gebiet Hula beschossen, das aus einer Ansammlung von kleinen Städten und Dörfern besteht. Die Menschen seien entweder beim Artilleriebschuss gestorben oder anschließend, als Freischärler im Feuerschutz der Truppen von Haus zu Haus gezogen seien. Die Aktivisten sprachen von einem "regelrechten Massaker": ganze Familien seien durch syrische Truppen getötet worden. In einem von Aktivisten veröffentlichten Internet-Video sind mehrere Kinderleichen zu sehen. Nach den Angriffen habe eine Massenflucht ins Landesinnere eingesetzt.
Nationalrat fordert UN-Sicherheitsrat zum Handeln auf
Der oppositionelle Syrische Nationalrat forderte den UN-Sicherheitsrat auf, angesichts der neuen Gewalt in Hula eine Dringlichkeitssitzung anzusetzen. Die Beobachtungsstelle für Menschenrechte warf den in der benachbarten Stadt Homs stationierten UN-Beobachtern Untätigkeit vor. Diese hätten trotz stundenlanger Angriffe nicht reagiert. Auch Frankreichs Außenminister Laurent Fabius nannte die Taten ein "Massaker". Er kündigte an, schnellstmöglich ein Treffen der sogenannten Freunde Syriens einzuberufen. Der Runde gehören neben Frankreich noch Deutschland, Großbritannien, Saudi-Arabien und Katar die USA an.Panzer in Aleppo
Am Freitag war die syrische Armee den Angaben zufolge erstmals seit Beginn der landesweiten Massenproteste vor mehr als einem Jahr mit Panzern in die zweitgrößte Stadt Aleppo eingerückt. Die Panzer seien durch zwei Stadtteile gerollt, in denen gerade Tausende Menschen an Trauerzügen teilgenommen hätten. In der Stadt habe es zudem mehrere Großdemonstrationen gegen Staatschef Baschar al-Assad gegeben, bei denen mindestens ein Demonstrant getötet worden sei.UN-Generalsekretär zieht düstere Bilanz der Lage
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Die anhaltende Krise sei geprägt von "Gewalt, sich verschlechternden humanitären Bedingungen, Menschenrechtsverletzungen und anhaltender politischer Konfrontation." Die UN-Beobachter hätten von "erheblichen Zerstörungen" in zahlreichen Städten berichtet. Große Teile der Ortschaften würden inzwischen von Mitgliedern der Opposition kontrolliert.
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Offenbar 110 Menschen bei Angriffen getötet [T. Aders, ARD Kairo]
Stand: 26.05.2012 07:43 Uhr
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